Kompassnavigation

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Unter Kompassnavigation versteht man die Navigation unter Wasser anhand (vor dem Tauchgang) festgelegter Kompasskurse.

Spezialwissen (SK Orientierung)

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Fehlen markante natürliche Punkte, geht die Orientierung sowohl an Land, als auch unter Wasser verloren, das gilt beispielsweise bei Nebel auf einer ebenen Fläche, im freien Wasser oder bei schlechten Sichtweiten und sehr eintönigem Gewässergrund. Hier kann es schnell vorkommen, dass man Kreise mit Durchmessern von 20 m bis 30 m taucht, obwohl man sicher ist, immer geradeaus getaucht zu sein. In solchen Fällen kann man sich nur mit Hilfe eines Kompasses orientieren.

Bestimmung des Kompasskurses

Anpeilen eines Objekts und Einstellen des Rastrings.

Der zu tauchende Kompasskurs muss vor dem Tauchgang festgelegt bzw. bestimmt werden. Dazu ist auf dem Kompass ein Rastring mit Markierungen und einer 360° Einteilung montiert.

Man peilt das gewünschte Ziel an und dreht den Rastring so, dass die gewünschte Gradzahl mit dem Peilstrich übereinstimmt. Der Nordpfeil steht jetzt unter einer der beiden Markierungen auf dem Rastring.

Auf dem Hinweg muss die Schwimmrichtung so gewählt werden, dass der Nordpfeil in dieser Position bleibt. Bei einem einfachen Umkehrkurs muss auf dem Rückweg der Nordpfeil auf die zweite, um 180° versetzte Markierung zeigen.

Kompasskurs tauchen

Verschiedene Arten der Kompasshaltung.

Um einen definierten Kompasskurs zu tauchen, ist eine saubere Tarierung Grundvoraussetzung. Tariere dich zuerst sauber aus und beginne dann, den Kurs aufzunehmen.

Der Kompass muss in der Körperachse bzw. in der Schwimmrichtung gehalten werden. Am besten hältst du den Kompass in beiden Händen mit ausgestreckten Armen vor dir. Falls das nicht möglich ist, weil er z. B. in deinem Tauchcomputer integriert ist, solltest du einen Arm gerade ausstrecken und die Hand des Armes, an dem sich der Tauchcomputer bzw. Kompass befindet, in die Ellenbeuge legen.

Kurskorrektor ohne und mit Kompensation.

Während du tauchst musst du strikt dem Kurs folgen und zwar unabhängig davon, was dir dein Orientierungssinn suggeriert. Kursabweichungen musst du sobald als möglich kompensieren, d. h. du musst in etwa die selbe Strecke in die andere Richtung vom Kurs abweichen, um den Versatz, der sich am Ziel ergeben würde, zu korrigieren.

Beachte bitte, dass bei aller Konzentration, die dir das Halten des richtigen Kurses abverlangt, du deine Tauchgruppe nicht vergessen darfst. Fixiere dich nicht nur auf deinen Kompass, sondern achte auch ständig auf deine Tauchgruppe und deren Sicherheit und vernachlässige auf keinen Fall die Gruppenführung.

Kurswechsel

Bei einem Tauchgang mit geradem Hin- und Rückweg (Umkehrkurs) muss auf dem Rückweg der Nordpfeil auf der zweiten, um 180° versetzten Markierung stehen.

Schwieriger wird es, wenn du links- oder rechtsdrehende Drei- und Viereckkurse tauchen willst: Hier musst du bei jedem Kurswechsel den neuen Kurs berechnen und die Rastscheibe neu einstellen:

  • rechtsdrehender Dreieckkurs: Bei jedem Kurswechsel 120° addieren.
  • linksdrehender Dreieckkurs: Bei jedem Kurswechsel 120° abziehen.
  • rechtsdrehender Viereckkurs: Bei jedem Kurswechsel 90° addieren.
  • linksdrehender Viereckkurs: Bei jedem Kurswechsel 90° abziehen.

Wenn die Winkelangaben über 360° hinausgehen, musst du 360° vom Ergebnis abziehen. Werden sie negativ, musst du 360° addieren. Beispiel:

  • 270° + 120° = 390°; der neue Kurs ist 390° − 360° = 30°
  • 90° − 120° = −30°; der neue Kurs ist −30° + 360° = 330°

Die Abstände zwischen den Wendepunkten müssen über Flossenschläge (bei kurzen Strecken) oder die Zeit (bei langen Strecken) ermittelt werden. Beim Dreieckkurs müssen alle Strecken gleich lang sein. Beim Viereckkurs müssen die gegenüberliegenden Strecken gleich lang sein.

Rechnen, Kompass einstellen, Flossenschläge zählen, den Flaschendruck überwachen, die Gruppe führen und dann noch Spaß am Tauchgang haben erfordert einiges an Erfahrung.

Strömung

Anpeilen eines Objekts auf dem Zielkurs und Anschwimmen bei Seitenströmung.

Bei seitlicher Strömung wirst du trotz Einhaltung des richtigen Kurses dein Ziel nicht erreichen, da dich die Strömung seitlich abdrängt. Um das zu kompensieren, müsstest du im richtigen Winkel gegen die Strömung schwimmen. Die Ermittlung des richtigen Korrekturwinkels ist aber in der Praxis so gut wie unmöglich.

Wenn du Sichtkontakt zum Grund hast, und dort immer wieder markante Punkte vorhanden sind, dann peile mit dem Kompass ein Objekt an, das auf dem Kurs zu deinem Ziel liegt. Tauche dann zu dem Objekt und peile das nächste sichtbare Objekt auf diesem Kurs an. So kannst du auch bei seitlicher Strömung dein Ziel erreichen.