Gruppenführung

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Unter dem Begriff Gruppenführung versteht man im Allgemeinen, wenn ein Taucher die Verantwortung für die Organisation, Sicherheit und Durchführung einer Tauchausfahrt übernimmt. Sämtliche Aspekte dessen sind im Online-Training Gruppenführung und im Themenbereich Gruppenführung zusammengefasst.

Im Speziellen versteht man unter Gruppenführung das Führen einer Gruppe aus Tauchern während eines Tauchgangs. Die Aufgabe als Gruppenführer übernimmt dabei meist der erfahrenste Taucher bzw. der Taucher mit der höchsten Ausbildungsstufe. Dieser Artikel beschreibt alle relevanten Aspekte der Führung einer Tauchgruppe bei einem Tauchgang, d. h. vom Ausrüstungscheck vor dem Einstieg bis zum Ausstieg aus dem Wasser.

Spezialwissen (SK Gruppenführung)

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Die verantwortungs- und anspruchsvollste Aufgabe als Gruppenführer ist die Führung der Tauchgruppe während des Tauchgangs. Denn es geht dabei nicht nur darum, vor der Gruppe zu tauchen, sich gelegentlich umzudrehen und zu zählen, ob alle noch da sind. Als Gruppenführer musst du neben einer sicheren Orientierung auch mögliche Gefahrensituationen und Unfallauslöser beim Tauchgang frühzeitig erkennen und schnelle Entscheidungen treffen können, um kritische Situationen zu entschärfen.

Du trägst die Verantwortung für die Sicherheit deiner Tauchgruppe und sollst ihr einen möglichst erlebnisreichen Tauchgang bieten. Zum sicheren Führen einer Gruppe gehört einiges an Erfahrung. Auch wenn man Erfahrung nicht durch Theoriewissen aufbauen kann, solltest du dir trotzdem über die folgenden Grundsätze und Verhaltenshinweise zur Gruppenführung während eines Tauchgangs bewusst sein, nach ihnen handeln und auf Basis dessen Erfahrung als Gruppenführer sammeln. Die Hinweise und Grundsätze sind dem Tauchgangsverlauf nach chronologisch geordnet und müssen ggf. je nach Art des Tauchgangs und den örtlichen Gegebenheiten erweitert werden.

Ausrüstungscheck

Bevor du dich mit deiner Tauchgruppe zum Einstieg begibst, solltest du von jedem Team einen Partnercheck durchführen lassen und dich versichern, dass die Ausrüstung von allen – auch deine eigene – komplett und funktionstüchtig ist. Melde deine Gruppe anschließend bei der Oberflächensicherung ab.

Einstieg

Sobald du dich in mehr als hüfttiefes Wasser begibst, musst du sicherstellen, dass jeder Taucher seine Flossen angezogen, seine Maske auf, seinen Lungenautomaten im Mund und Luft im Jacket hat. Dies ist aus Gründen der Tauchsicherheit absolut notwendig, um nicht abgetrieben zu werden und nicht sofort unterzugehen bzw. in diesem Fall zumindest atmen und sehen zu können. Bei einem flachen Ufer ohne Brandung macht es Sinn, die Flossen erst im hüfttiefen Wasser anziehen.

Du als Gruppenführer bist immer der erste, der ins Wasser geht und von dort aus die Gruppe sichert. Fordere jeden Taucher zu oben genannten Punkten auf und lass sie einzeln zu dir ins Wasser gehen oder springen. Dein Stellvertreter kommt als letzter ins Wasser und unterstützt die Taucher beim Einstieg von Land oder Boot aus. Jeder Taucher muss dir das OK-Zeichen geben, wenn er sicher im Wasser angekommen ist und Auftrieb hat.

Achte an der Wasseroberfläche darauf, dass die Gruppe zusammen bleibt und du alle Taucher stets im Blick hast. Falls der Tauchgang von einem Boot aus durchgeführt wird, fordere jeden Taucher auf, dass er sich sofort zur Strömungsleine begibt, um nicht abgetrieben zu werden. An der Wasseroberfläche werden keine langen Gespräche mehr geführt und auch nicht das Briefing abgehalten oder wiederholt.

Abtauchen

Begib dich mit deiner Tauchgruppe zu der Stelle, an der du abtauchen willst und lasse sie bereits jetzt die Gruppenformation einnehmen. Kontrolliere mit einem Blick nach unten, ob sich keine Taucher oder Sonstiges unter euch befinden. Frage anschließend jeden Taucher mit dem OK-Zeichen, ob er bereit ist abzutauchen. Wenn dies alle bestätigt haben, gibst du das Unterwasserzeichen zum Abtauchen und die ganze Gruppe taucht gemeinsam ab. Falls jemand schon vorher abtauchen möchte, dann rufe ihn unbedingt zur Ordnung, da das gemeinsame Abtauchen essentiell für die Tauchsicherheit ist.

Die ersten paar Meter des Abtauchens sind am kritischsten: Hier treten am häufigsten Probleme beim Druckausgleich und der Tarierung aufgrund einer unpassenden Bleimenge auf. Drehe dich deshalb in dieser Phase bis zum Bubblecheck zu deiner Gruppe, behalte alle Taucher ständig im Blick und sei bereit einzugreifen oder Hilfestellung zu geben, falls Probleme auftreten sollten.

Du solltest nie ohne Bezugspunkt abtauchen. Für wenig erfahrene Taucher ist das aus psychologischen Gründen sehr wichtig, es erleichtert zudem die Tarierung und verhindert, dass zu schnell abgetaucht wird und dadurch Druckausgleichsprobleme entstehen. An einem Ufer oder einer Riffkante ist dieser Bezugspunkt immer gegeben. Im freien Wasser solltest du das Ankerseil oder eine Abstiegsleine verwenden. Dies ist auch bei Strömung hilfreich, um die Gruppe zusammen zu halten.

Nachdem jedes Team in 3 m bis 5 m Tiefe einen Bubblecheck durchgeführt hat und du das OK-Zeichen von jedem Taucher bekommen hast, kannst du mit dem eigentlichen Tauchgang beginnen.

In der Tiefe

Während des Tauchgangs bist du als Gruppenführer in der Regel derjenige, der die Orientierung übernimmt und damit die Richtung und auch die Tiefe vorgibt. Achte bei dir selbst auf eine saubere Tarierung und vermeide Kontakt zum Grund. Die Geschwindigkeit mit der du schwimmst muss den Gegebenheiten angepasst sein und sollte eher gemäßigt als zu schnell sein. Einerseits muss jedes Gruppenmitglied dein Tempo mitgehen können und zweitens sollen alle Taucher die Möglichkeit haben, sich in Ruhe umzusehen und die Unterwasserwelt zu genießen.

Achte ständig darauf, dass jeder Taucher sich an folgende Regeln hält:

Fordere jeden Taucher deutlich auf, sich an diese Regeln zu halten, falls er es nicht tun sollte. Dies alles klingt zwar sehr starr und unbeliebt, aber aus Gründen der Tauchsicherheit ist dieses gewisse Mindestmaß an Disziplin zwingend notwendig. Sollte jeder das machen, was er gerade will, dann verlierst du die Kontrolle über die Gruppe und kannst in einer kritischen Situation nicht eingreifen oder Hilfestellung geben. Zudem würde dieser Taucher die Sicherheit der gesamten Gruppe gefährden.

Auch wenn die Tauchgangsplanung umgesetzt werden soll, können trotzdem Situationen entstehen, die dich zu einer Planänderung zwingen. Wenn es aus sicherheitstechnischen Gesichtspunkten zu verantworten ist, dann habe den Mut, den Plan unter Wasser entsprechend zu ändern. Falls es Probleme gibt, die unter Wasser nicht gelöst werden können, dann tauche mit der gesamten Gruppe geschlossen auf.

Behalte deine Tauchgruppe im Blick, achte auf die Vollzähligkeit und frage von Zeit zu Zeit das OK-Zeichen ab. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn Engstellen passiert werden müssen, man anderen Tauchgruppen begegnet oder Übungen durchgeführt werden. Kontrolliere frühzeitig und regelmäßig den verbleibenden Luftvorrat von jedem Taucher, denn dieser entscheidet darüber, wann du spätestens umkehren musst.

Umkehr

Wenn nichts dagegen spricht, dann beginnst du zu dem Zeitpunkt mit dem Rückweg, wie du es mit deiner Gruppe im Briefing besprochen hast. Das kann beispielsweise nach einer festen Zeit bzw. an einem definierten Ort sein oder nachdem ihr euch die Sehenswürdigkeit am Ziel angesehen habt.

Begrenzend ist aber auf alle Fälle der Luftvorrat des Tauchers mit dem größten Luftverbrauch: Du musst spätestens mit dem Rückweg beginnen, wenn der erste Taucher nur noch 100 bar Restdruck in seiner Tauchflasche hat. Bei anspruchsvolleren oder risikoreicheren Tauchgängen solltest du ein Drittel der Luft für den Hinweg einplanen, ein Drittel für den Rückweg und ein Drittel sollte als Reserve dienen, falls Probleme auftreten sollten.

Wenn es der Tauchplatz zulässt, dann versuche in einem weiten Bogen zu wenden. Möglichst vermeiden solltest du, dass du auf der Stelle wendest, d. h. dich um 180° umdrehst und zurück schwimmst. Gerade bei größeren Gruppen würdest du damit die Gruppenformation komplett aufbrechen und ein Chaos verursachen.

Aufstieg

Idealerweise beginnst du mit dem Aufstieg schon während des Rückwegs und führst evtl. notwendige Dekostopps und den Sicherheitsstopp schwimmend durch. Dies erleichtert die Tarierung und ist angenehmer für die Taucher. Wenn du im freien Wasser senkrecht auftauchen musst, dann verwende ein Bojenseil oder die Ankerkette zur besseren Orientierung und Tiefenkontrolle. Bei Wellengang oder Strömung können sich die Taucher zudem daran festhalten.

Bevor du zur Oberfläche auftauchst musst du dich vergewissern, dass alle Mittaucher ihre Dekostopps und den Sicherheitsstopp komplett absolviert haben. Kontrolliere auch, dass sich an der Oberfläche kein Boot, andere Taucher, Schwimmer oder sonstige Hindernisse befinden. Nach Erreichen der Oberfläche müssen alle Taucher genügend Luft in ihre Jackets geben, um ausreichend Auftrieb herzustellen und nicht wieder abzusinken.

Ausstieg

Solange man keinen sicheren Stand auf einer Leiter hat oder man sich in mehr als hüfttiefem Wasser befindet, behält jeder Taucher aus den gleichen Gründen wie beim Einstieg seine Flossen an, seinen Lungenautomat im Mund und seine Maske auf. Beginne mitunter deshalb auch keinesfalls bereits an der Wasseroberfläche mit dem Debriefing.

Leitern bergen ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotential: Achte darauf, dass sich gerade bei Wellengang niemand daran quetschen oder verletzen kann. Auf einer Leiter befindet sich grundsätzlich nur ein Taucher. Alle anderen halten Abstand und befinden sich nicht im direkten Fallweg, denn auch der erfahrenste und trainierteste Taucher hat schon einmal auf der Leiter den Halt verloren und ist zurück ins Wasser gestürzt.

Du als Gruppenführer verlässt als letzter das Wasser, um die Gruppe von dort aus zu sichern. Dein Stellvertreter sollte als erster gehen und von Land bzw. vom Boot aus die Taucher beim Ausstieg unterstützen. Der Tauchgang ist erst beendet, wenn alle Taucher sicher das Wasser verlassen haben und du dich bei der Oberflächensicherung zurückgemeldet hast.