Tarierung

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Prinzip der Tarierung

Tarierung bezeichnet im Tauchsport der Vorgang, den Abtrieb der Ausrüstung durch Auftrieb, der über Hinzugeben von Luft in das Tarierjacket hergestellt wird, auszugleichen und somit gewichtslos im Wasser zu schweben.

Die physikalische Grundlage hierzu ist das Prinzip des Archimedes.

Vor deinem ersten Tauchgang

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Tarierung Comic.jpg

Deine gesamte Tauchausrüstung ist so zusammengestellt, dass du im Wasser leicht Abtrieb hast und somit kontinuierlich absinken würdest. Um das zu verhindern, enthält dein Jacket eine Luftblase, die mit dem Inflator mit Luft gefüllt bzw. entleert werden kann. Füllst du dein Jacket mit Luft, so bekommst du Auftrieb und steigst auf. Entleerst du es, sinkst du ab. Den Abtrieb genau durch genügend Auftrieb zu kompensieren ist die eigentliche Kunst des Tauchens. Dies erfordert einiges an Training. Im Laufe deines VIT-Tauchkurses wirst du dies aber genügend üben und ein Gefühl für die richtige Tarierung bekommen.

Sicherheitshinweis

Springe nie mit leerem Jacket ins Wasser, da du sonst sofort absinken würdest, sondern befülle dein Jacket noch an Land mit Luft. Fülle umgekehrt unter Wasser dein Jacket nicht unkontolliert mit Luft voll, da du sonst viel zu schnell und unkontrolliert aufsteigen würdest.

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Bei Tauchen kannst du dein Gewicht (deine Abtriebskraft) hauptsächlich durch Bleigewichte verändern. Dein Volumen (deine Auftriebskraft) veränderst du durch die Luft in deinem Tarierjacket und durch deine Atmung.

Das gewichtslose Schweben (hydrostatisches Gleichgewicht) kannst du erreichen, indem du die passende Menge an Luft in das Tarierjacket über den Inflator gibst, um den Abtrieb der Ausrüstung genau auszugleichen. Die zugeführte Luftmenge vergrößert dein Volumen und verleiht dir somit Auftrieb (siehe Prinzip des Archimedes). Das Ausgleichen des Abtriebs des Ausrüstung (vornehmlich des Bleis) mit der Luft im Tarierjacket nennt man Grobtarierung. Die Feintarierung geschieht über die Atmung, da man durch Ein- bzw. Ausatem das Volumen der Lunge um einige Liter vergrößern bzw. verkleinern kann. Du darfst aber hierbei auf keinen Fall die Luft anhalten!

Austariert zu sein, also gewichtslos zu schweben, ist unter Wasser der Idealzustand. Nur so kann verhindert werden, dass beispielsweise die Unterwasserwelt geschädigt wird. Die richtige Tarierung ist dazu die Vorraussetzung. Sie dient zudem der Minimierung des Kraftaufwandes und damit auch des Luftverbrauchs. Versuche deshalb nicht, dich mit verstärktem Flossenschlag auf der gewünschten Tiefe zu halten, sondern benutze hierfür dein Tarierjacket.

Einflussfaktoren

Tarierung ist während des Tauchgangs ein fortwährender Prozess, d. h. du musst die Luftmenge in deinem Jacket ständig anpassen, um im hydrostatischen Gleichgewicht zu bleiben. Unter anderem beeinflussen folgende Foktoren die notwendige Luftmenge:

Bleimenge

Die richtige Bleimenge kann nicht einfach berechnet, sondern nur durch einen Checktauchgang bestimmt werden. Das Ergebnis sollte dann im Logbuch mit Angabe der Ausrüstungskonfiguration für spätere Tauchgänge vermerkt werden.

Ziel ist es, am Ende des Tauchgangs mit fast leerer Flasche, leerem Jacket und bei mittlerer Atmung auf der letzten Dekostufe bzw. beim Sicherheitsstopp in 3 m ohne Flossenbewegung schweben zu können. Für den Beginn des Tauchgangs bedeutet das, dass mit voller Flasche, leerem Jacket und tief eingeatmet im schwebenden Zustand der Wasserspiegel in Augenhöhe sein soll. Atmest du dann aus, sinkst du ab. Da der Tauchanzug aus Neopren in 3 m Wassertiefe bereits etwas an Auftrieb verliert, kannst du dann einatmen ohne gleich wieder Auftrieb zu bekommen. Am Ende des Tauchgangs, wenn die Flasche durch die verbrauchte Luft leichter ist (ca. 2 kg bei einer 10 Liter Flasche), wird der Schwebezustand nochmals überprüft.

Neben der Tarierung ist auch die Wasserlage wichtig. Du solltest im Schwebezustand weder nach vorne noch nach hinten abkippen. Dazu sollten die Bleigewichte seitlich vorne sitzen. Eventuell können zusätzlich Trimmbleistücke im Jacket verwendet werden, um diese Lage zu erreichen.

Tipps

  • Wenn du trotz ausreichender Bleimenge Probleme hast abzutauchen, dann versuche nicht mit nach unten gestreckten Flossen abzutauchen, sondern winkle deine Knie an, strecke deine Flossen nach hinten und lass deinen Oberkörper leicht nach vorne kippen. In dieser Haltung verhinderst du, dass du während des Abtauchens mit den Flossen unbeabsichtigst trittst und somit Auftrieb generierst.
  • Desto langsamer du schwimmst, desto genauer musst du auf deine Tarierung achten, da fehlender Auftrieb nicht mehr durch Flossenschläge ausgeglichen werden kann. Um die Technik des Tarierens gut zu erlernen, solltest du dich also sehr langsam im Wasser bewegen.
  • Wenn du Luft in das Jacket gibst oder ablässt, dauert es ein paar Augenblicke bis eine merkliche Reaktion bzgl. des Auf- bzw. Abtriebs einsetzt. Gib deshalb immer nur stoßweise Luft zu bzw. ab und warte einige Augenblicke auf die Reaktion.
  • Behalte deinen Inflator immer in der Hand. Somit kannst du sofort reagieren und verhinderst, dass du erst viel Zeit verschwenden musst, um ihn zu suchen, bevor du ihn benutzen kannst.
  • Du kannst Luft aus deinem Jacket über den Inflator oder über den Schnellablass ablassen. Über den Inflator kannst du die Luft in kleinen dosierten Mengen ablassen, allerdings bekommst du hiermit das Jacket deutlich langsamer leer als mit dem Schnellablass. Durch kurzes Ziehen am Schnellablass lässt sich eine ähnlich gute Dosierung wie mit dem Inflator erreichen.
  • Luft steigt immer nach oben und sammelt sich im höchsten Punkt deines Jackets. Willst du Luft ablassen, musst du darauf achten, dass das Ventil (Inflator oder Schnellablass) den höchsten Punkt bildet. D. h. du musst deinen Oberkörper aufrichten und den Inflator nach oben halten.
  • Beim Abtauchen nimmt das Volumen des Anzugs und der Luft im Jacket wegen des steigenden Umgebungsdrucks ab (vgl. Gesetz von Boyle-Mariotte). Um den somit zunehmenden Abtrieb zu kompensieren, musst du bei zunehmender Tiefe Luft zugeben. Beim Auftauchen geschieht das Umgekehrte: Das Volumen nimmt zu und führt zu mehr Auftrieb. Um nicht immer schneller und schneller aufzusteigen, musst du währenddessen immer wieder Luft ablassen.

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Einfluss der Ausrüstungsgegenstände

Jeder Ausrüstungsgegenstand ändert das Volumen und das Gewicht des Tauchers. Dies hat Einfluss auf die Menge an Blei, die mitgeführt werden muss. Eine direkte Berechnung der notwendigen Bleimenge ist zwar nicht möglich, aber auf Basis der Einträge im Tauchlogbuch bzgl. Bleimenge und Ausrüstungskonfiguration kann diese grob abgeschätzt werden.

  • Flaschengröße: Eine Tauchflasche mit größerem Inhalt hat zwar ein größeres Volumen, allerdings ist sie aufgrund der Menge des Wandmaterials und des Gewichts der Luft auch schwerer. Meist ist bei Verwendung der nächst größeren Flasche etwas weniger Blei (ca. 1 kg bis 2 kg) notwendig.
  • Fülldruck: Die verbrauchte Luftmenge reduziert bei gleichbleibendem Volumen das Gewicht der Tauchflasche. Je nach Flaschengröße um 2 kg bis 3 kg, wenn 150 bar verbraucht wurden. Um beim Erreichen des Reservedrucks noch einen Deko- bzw. Sicherheitsstopp durchführen zu können, muss dies zu Beginn des Tauchgangs an Blei vorgehalten werden. Die optimale Bleimenge führt man mit, wenn man sich bei 50 bar Restdruck mit sehr wenig Luft im Jacket auf 3 m Tiefe problemlos austarieren kann.
  • Flaschenmaterial: Im Vergleich zu Stahl- ist bei Aluminiumflaschen eine größere Wanddicke erforderlich. Dies erhöht einerseits das Gewicht der Tauchflasche, vergrößert aber das Volumen (siehe Beispielrechnung für 10-Liter-Flaschen). Deshalb benötigt man bei Verwendung einer Aluminiumflasche meist etwas mehr Blei als bei einer Stahlflasche gleicher Größe.
  • Tauchanzug: Je dicker das Neopren des Anzugs ist und umso mehr zusätzlichen Kälteschutz, wie Kopfhaube oder Handschuhe, man mitführen muss, desto mehr Blei ist notwendig, um dessen Auftrieb zu kompensieren. Mit einem dünnen Shorty ist womöglich gar kein Blei notwendig, wohingegen man mit einem 7 mm dicken Anzug bei ansonsten gleicher Ausrüstung durchaus 5 kg Blei oder mehr benötigen kann. Mit einer zusätzlichen 7 mm dicken Eisweste muss man die Bleimenge typischerweise nochmals um 2 kg bis 3 kg erhöhen.
  • Lampen, Kameras: Taucherlampen und Kameras haben wegen ihrer druckdichten, luftgefüllten Gehäuse meist leicht Auftrieb oder sind neutral tariert. In den meisten Fällen musst du kein zusätzliches Blei mitführen.