Psychologische Aspekte

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Ein Aufenthalt unter Wasser wird von der menschlichen Psyche instinktiv als Gefahrensituation eingestuft. Auch wenn man dies womöglich nicht direkt wahrnimmt, sollte man sich über die psychologischen Aspekte beim Tauchen und deren mögliche Konsequenzen bewusst sein.

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Angst

Bei fast allen Zwischenfällen beim Tauchen ist Angst und Panik entscheidend beteiligt. Deshalb ist es erstaunlich, dass es für Ich habe Angst! kein Unterwasserzeichen gibt. Das hat wohl etwas mit dem Machoimage zu tun, das dem Tauchsport leider noch immer anhaftet. Ein erfahrener Tauchlehrer/-partner kann Angst höchstens am Verhalten oder dem starren Blick seines Tauchpartners erkennen.

Angst ist ein emotionaler Zustand, d. h. eine angeborene, instinkthafte Reaktion auf nicht sofort einschätzbare äußere Einflüsse. Sie ist vollkommen normal und schützt vor unüberlegten Handlungen. Angst entsteht immer dann, wenn eine Situation neu und unbekannt ist. Das ist bei den ersten Tauchgängen und bei auftretenden Zwischenfällen oft der Fall. Es beginnt mit Unruhe, Stress, Angst und endet im schlimmsten Fall in einer Panik.

Die Angst darf nicht verschwiegen, überspielt oder verleugnet werden, nur so kann sich der Tauchlehrer oder der Tauchpartner auf mögliche Probleme einstellen. Absolute Ehrlichkeit ist gefragt. Erste Maßnahmen sollten sein: Ruhiger werden, auf die Atmung konzentrieren, Tauchpartner verständigen, Auslöser der Angst erkennen und Handkontakt suchen.

Panik

Kann eine aufkommende Angst unter Wasser nicht überwunden werden, mündet sie in einer Panik. Panik ist eine im Gehirn abgespeicherte, sinnlose Flucht vor der vermeintlichen Gefahr. Zielgerichtete Handlungen, wie beispielsweise der Abwurf des Bleigurts, sind nicht mehr möglich. Unfalluntersuchungen zeigen, dass fast bei allen tödlich verunfallten Tauchern eine Panik zum fatalen Ende führte.

Erste Maßnahmen müssen identisch zu aufkommender Angst sein: Ruhiger werden, auf die Atmung konzentrieren, Partner verständigen, Auslöser der Panik erkennen und Handkontakt suchen. Der sicherste Weg, eine Panik zu vermeiden ist neben einem vertrauensvollen Tauchpartner, eine gute Tauchgangsplanung und viel Erfahrung aus Tauchgängen unter oft wechselnden Bedingungen. Nur so kann die Panikgrenze weiter hinausgeschoben werden.

Gruppenzwang

Tauchen ist ein Sport miteinander und nicht gegeneinander. Das erfordert von allen Gruppenmitgliedern absolute Ehrlichkeit. Das Problem dabei ist, dass die meisten Menschen sich nicht gerne Schwächen eingestehen, vor allem nicht gegenüber anderen Menschen, die dann auch noch Tauchpartner sind. Aufgabe innerhalb der Gruppe sollte es sein, Schwächen eines Partners zu erkennen und ihn zu ermuntern, diese mit Partnerhilfe zu überwinden. Es muss unbedingt vermieden werden, dass sich ein Gruppenmitglied unter Druck gesetzt fühlt und Risiken eingeht, die ihn und die Gruppe gefährden können. Der machohafte Satz „Du traust dich wohl nicht?!” sollte eigentlich mit einem Tauchverbot bestraft werden.

Beim Tauchen gilt der Grundsatz: Der Schwächste bestimmt den Tauchgang! Lasse dich also nicht durch die Gruppe oder Gruppenmitglieder zu Tauchgängen überreden, bei denen du Bedenken bzw. Angst hast und dich schon im Vorfeld nicht wohl fühlst. Äußere deine Sorgen bereits beim Briefing und lasse den Tauchgang ausfallen, wenn deine Gruppenmitglieder wider Erwarten auf dich nicht entsprechend eingehen. Führe einen Tauchgang nur durch, wenn du dich absolut sicher und wohl fühlst.