Druckkammer

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Druckkammer von außen.

Eine Druckkammer – auch Dekompressionskammer – ist ein luftdichtes und druckfestes Behältnis, in dem der Umgebungsdruck und die Gaszusammensetzung kontrolliert verändert werden kann. Bei einer Dekompressionskrankheit ist in der Regel eine Behandlung in einer Druckkammer erforderlich.

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Tauchcomputer, Dekompressionstabellen und ausgefeilte Technik erleichtern das Tauchen und lassen es als ein ungefährliches Hobby erscheinen. Leider kommt es trotzdem – vorallem bei Verletzung gewisser Grundregeln – immer wieder zu Unfällen, die oft eine Dekompressionskrankheit zur Folge haben. Erste, wichtigste Maßnahme ist es, den Verunfallten mit 100%-igem Sauerstoff zu versorgen und ihn dann unter ärztlicher Betreuung in eine Druckkammer einzuschleusen.

Behandlungsmethoden

Bei der sog. Hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) wird der verunfallte Taucher in einer Druckkammer wieder einem erhöhtem Umgebungsdruck ausgesetzt (Rekompression). Die sich gebildeten Stickstoffblasen sollen hierbei wieder verkleinert werden und teils in Lösung gehen.

Zusätzlich wird der Sauerstoffanteil erhöht und der Patient damit einem höheren Sauerstoffpartialdruck ausgesetzt. Die Menge des an die roten Blutkörperchen gebunden Sauerstoffs kann dadurch zwar nicht erhöht werden, aber die Menge des den Körperflüssigkeiten gelösten Sauerstoffs wird dadurch stark vergrößert. Dies führt dazu, dass Sauerstoff auch noch in Gewebebereiche eindiffundieren kann, die durch eine Gasblase oder einen Trombus von der Blutversorgung abgeschnitten sind. Das kann ein weiteres Absterben des betroffenen Gewebebereichs verhindern.

Die anschließende Dekompression erfolgt sehr langsam. Der noch gelöste Stickstoff wird abgeatmet, die Stickstoffsättigung des Gewebes sinkt, Stickstoff diffundiert aus den Gasblasen heraus in das Gewebe und dadurch verkleinern sich die Blasen zunehmends. Eine derartige Behandlung kann mehrere Stunden dauern und muss meist auch mehrfach wiederholt werden.

Für die Art der Behandlung ist zudem das Tauchgangsprofil wichtig. Deshalb muss der Tauchcomputer des verunfallten Tauchers unbedingt mit zur Druckkammer verbracht werden.

Aufbau und Typen

Stationäre Behandlungskammer

Bei Behandlungskammern handelt es sich um große, stationäre Druckkammern oder auch Kammersysteme, in denen eine Behandlung durch den sich mit in der Kammer befindlichen Arzt erfolgen kann. In großen, speziell ausgerüsteten Druckkammern können sogar Operationen durchgeführt werden. Solche Kammern werden von Tauchern gerne zu Ausbildungszwecken besucht, wobei normalerweise Tiefen bis 50 Meter simuliert werden.

Alle Behandlungskammern sind in Vor- und Hauptkammer geteilt. Beide Kammerteile sind unabhängig voneinander steuerbar. So ist es möglich, dass Personen ein- oder ausgeschleust werden können, ohne die Behandlung zu unterbrechen. Die Vorkammer muss mindestens so groß sein, dass zwei Personen sitzend eingeschleust werden können. An die Vorkammer kann bei vielen Behandlungskammern mittels eines genormten Bajonettrings eine Transportkammer angeflanscht werden.

Jeder Platz in der Kammer muss mit einer Sauerstoffatemmaske ausgerüstet sein, die 75 l/min abgibt. Der ausgeatmete Sauerstoff darf nicht in die Kammeratmosphäre gelangen, um die Brandgefahr herabzusetzen. Ein Sauerstoffmelder muss bei einem Anteil von 23% O2 in der Kammer Alarm geben. In besonderen Anwendungsfällen wird der Stickstoffanteil im Atemgas ganz oder teilweise durch Helium ersetzt.

Hauptgefahren in der Druckkammer sind der unsachgemäße Betrieb durch ungenügend ausgebildetes Personal, die Brandgefahr durch den erhöhten Sauerstoffpartialdruck und gesundheitlich ungeeignete Kammerinsassen. Durch den hohen Sauerstoffpartialdruck besteht schon durch einen Funken aus einer statischen Entladung Brandgefahr. Deshalb sind die Verwendung bestimmter Kunststoffe bei der Kammerausstattung und die Bekleidung der Insassen möglichst gering zu halten. Zudem müssen alle im Innern verwendeten Materialien schwer entflammbar, leicht zu reinigen und desinfizierbar sein.

Transportkammer

Transportkammern dienen dem Transport verunfallter Taucher zur nächsten Behandlungskammer. Sie sind möglichst leicht gebaut und mit Einrichtungen versehen, um sie per LKW oder auch am Hubschrauber zur Behandlungskammer bringen zu können. Über einen genormten Bajonettring können sie dort angeflanscht werden, ohne dass der Druck abgesenkt werden muss. Die Gasversorgung während des Transportes erfolgt durch angeflanschte Druckluftflaschen.

Die früher weit verbreiteten Einmann-Transportkammern sind in Deutschland nicht mehr zugelassen. Ist der verunfallte Taucher einmal in dieser Kammer unter Druck, ist eine Hilfestellung bei Zwischenfällen wie einem Schock oder einer Ohnmacht von außen nicht mehr möglich, da jede Absenkung des Kammerdruckes das Problem nur noch vergrößern würde.

Bei den heute verwendeten Zweimann-Transportkammern kann ein Arzt oder Helfer in der Kammer sitzen und bei Zwischenfällen Hilfe leisten. Über Schleusen können auch Medikamente eingeschleust werden, ohne den Kammerdruck absenken zu müssen. Ist nur ein Taucher verunfallt, kann so auch eine hyperbare Sauerstofftherapie erfolgen, wenn die Gasversorgung sichergestellt ist.

Transportkammern werden in den seltensten Fällen zur Verfügung stehen. Normalerweise werden die Unfallopfer per Auto oder mit dem Hubschrauber zur nächsten Behandlungskammer gebracht. Die Flughöhe sollte dabei allerdings wegen des sinkenden Umgebungsdrucks nicht über 300 Meter liegen.

Standorte

Die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM) informiert auf ihrer Webseite über alle in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorhandenen Druckkammern und deren Bereitschaftszeiten.