Dekompressionskrankheit

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Eine Dekompressionskrankheit, auch Taucher- oder Caisonkrankheit genannt, bezeichnet ein Krankheitsbild, das durch Gasbläschen in den Körpergeweben hervorgerufen wird. Die Gasbläschen entstehen, wenn Inertgas – meist Stickstoff – bei höherem Umgebungsdruck im Gewebe angesättigt wird, und durch eine zu starke und schnelle Druckminderung das Gas nicht mehr in Lösung gehalten werden kann und deshalb ausperlt.

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Ursachen

Auf- und Absättigung von Stickstoff im Körper während eines Tauchgangs.

Beim Tauchen atmest du Luft unter erhöhtem Druck und damit auch mit einer erhöhten Dichte. Der enthaltene Stickstoff ist zwar ein Inertgas, d. h. er nimmt nicht an Stoffwechselvorgängen im Körper teil, allerdings löst er sich in den Körpergeweben, die zum Teil aus Wasser bestehen, und sättigt sich dort an.

Eine Aufsättigung findet immer dann statt, wenn in der Atemluft mehr Stickstoff vorhanden als im Körper gelöst ist. Umgekehrt findet bei einer Reduzierung des Umgebungsdrucks eine Entsättigung der Gewebe statt, da der Stickstoffpartialdruck in der Atemluft sinkt. Der Auf- bzw. Entsättigungsvorgang verläuft je nach Art und Durchblutung des entsprechenden Körpergewebes unterschiedlich schnell.

Ist zu viel Stickstoff im Körper angesättigt und verringert sich bei zu schnellem Auftauchen der Umgebungsdruck zu rapide, kann der Stickstoff nicht mehr in Lösung gehalten werden und es bilden sich Gasbläschen in den Körpergeweben.

Symptome

Die Gasbläschen rufen, je nachdem, wo sie sich befinden und wie stark sie ausgeprägt sind, unterschiedliche Symptome hervor:

  • Unter der Haut treten Flecken auf, die einem Bluterguss ähneln und stark jucken (sog. Taucherflöhe).
  • In der Muskulatur verursachen sie Schmerzen und Druckempfindlichkeit, die einem Muskelkater ähneln.
  • In Gelenken, Knochen und Bändern verursachen sie Schmerzen und führen zu einer Bewegungseinschränkung (sog. Bends).
  • In den Blutgefäßen können sie die Blutzufuhr zu einzelnen Bereichen im Körper blockieren und diese damit von der Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr abschneiden. Dies verursacht ein Absterben der dort befindlichen Zellen.
  • Durch Gasbläschen im Gehirn und Rückenmark oder durch den Verschluss der Gefäße in diesem Bereich treten Empfindungsstörungen, Bewusstseinsstörungen und Lähmungen auf. Die Symptomatik ähnelt einem Schlaganfall. Derartige Schädigungen können irreversibel sein und unter Umständen auch zu Tod führen.

Die Symptome müssen nicht zwingend unmittelbar nach dem Tauchgang auftreten, sondern können sich bis zu 24 Stunden später erst manifestieren.

Gegenmaßnahmen

Wenn Symptome einer Dekompressionskrankheit auftreten muss dies als medizinischer Notfall behandelt und die Rettungskette ausgelöst werden.

Als Sofortmaßnahme muss in jedem Fall – auch nach Tauchgängen mit Nitrox – sofort und so lange wie möglich 100%-iger Sauerstoff verabreicht werden. Durch das höhere Sauerstoffangebot im Blut kann dieser durch die Gewebeflüssigkeit weiter in durch Gasbläschen verschlossene Bereich eindiffundieren und ein Absterben des Gewebes verhindern. Anschließend ist meist ein Aufenthalt in einer Druckkammer notwendig, um die Gasbläschen zu verkleinern, wieder in Lösung zu bringen und dann durch langsame Druckreduzierung das Gewebe zu entsättigen.

Vorbeugung

Um das Risiko für eine Dekompressionskrankheit zu reduzieren, muss vorschriftsmäßig ausgetaucht werden. Das bedeutet, dass die Aufstiegsgeschwindigkeit in keinem Fall mehr als 10 Meter pro Minute betragen darf, ein Sicherheitsstopp durchgeführt werden sollte und alle ggf. notwendigen Dekostopps eingehalten werden müssen. Wie man vorschriftsmäßig austaucht, Dekostopps bestimmt und weitere Sicherheitshinweise findest du im Artikel Dekompressionsberechnung.