Rettungskette

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Ablauf einer Rettungskette.

Unter einer Rettungskette fasst man die Stationen zusammen, die ein Patient vom Auffinden durch einen Ersthelfer bis zum Eintreffen in der Notaufnahme eines Krankenhauses durchlaufen sollte.

Da eine Kette stets an ihrer schwächsten Stelle bricht, ist der Begriff auch ein Sinnbild für die richtige Zusammenarbeit aller Beteiligten: Jedes Glied in einer Rettungskette ist darauf angewiesen, dass alle anderen Glieder optimal und ohne Zeitverzögerung gearbeitet haben, um dem Patienten gute Überlebens- bzw. Heilungschancen zu gewährleisten.

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Der Ablauf einer Rettungskette vom Auffinden des Patienten bis zur Versorgung in einer Klinik unterteilt sich in die nachfolgend beschriebenen fünf Abschnitte. Die ersten drei Abschnitte (Absicherung, Notruf, Erste Hilfe) müssen von einem Ersthelfer, der in den meisten Fällen keine medizinischen Fachkenntnisse besitzt, durchgeführt werden. Mit der Übergabe an den Rettungsdienst übernimmt medizinisches Fachpersonal die Versorgung des Patienten.

Absicherung

Wenn man einen Menschen auffindet, der akut medizinische Hilfe benötigt, muss man sich zuerst einen Überblick über die Lage verschaffen, die Unfallstelle absichern und ggf. den Patienten aus dem Gefahrenbereich retten. Primäres Ziel dieses Gliedes in der Rettungskette ist es, weiteren Schaden abzuwenden. Der Eigenschutz geht allerdings immer vor.

Speziell im Tauchsportbereich muss der verunglückte Taucher als erstes gesichert, dann zur Wasseroberfläche und schließlich an Land bzw. auf ein Boot gebracht werden. Hier ist ein schnelles, aber wohl überlegtes Handeln notwendig, denn so lange sich Taucher und Helfer im Wasser befinden, kann weder ein Notruf abgesetzt, noch Erste Hilfe geleistet werden. Sobald der verunfallte Taucher an Land bzw. auf ein Boot gebracht wurde, muss ihm das Tauchgerät abgenommen werden. Anschließend müssen die Atemwege frei gemacht und die Atmung kontrolliert werden.

Sicherheitshinweis

Falls bei der Rettung des verunfallten Tauchers eine klare Gefahr für die eigene Sicherheit besteht, sollte darauf verzichtet werden und schnellstmöglich ein Notruf abgesetzt werden. Es ist für den verunfallten Taucher nicht hilfreich, wenn die Rettungskräfte ihn und den Ersthelfer retten und versorgen müssen.

Notruf

Der Notruf an die Rettungsleitstelle sollte so bald wie möglich abgesetzt werden, damit die Rettungskräfte möglichst früh eintreffen. D. h. der Notruf sollte sofort nachdem die Unfallstelle gesichert bzw. der Patient aus dem Gefahrenbereich gerettet und gesichert wurde, getätigt werden. Idealerweise befinden sich mehrere Helfer zur Stelle, von denen bereits einer den Notruf absetzen kann, während die restlichen die Absicherung übernehmen.

Die EU-weite Notrufnummer ist die 112. Diese Telefonnummer ist aus allen Telefon- und Mobilfunknetzen ohne Vorwahl kostenfrei erreichbar und verbindet den Anrufer direkt mit der nächstgelegenen Rettungsleitstelle. Die wichtigsten Informationen, die mitgeteilt werden müssen, sind wo ist etwas passiert und was ist passiert. Auch die Anzahl der verunglückten Personen sollte direkt mitgeteilt werden. Der wichtigste Punkt ist allerdings, dass man das Gespräch niemals selbst beendet, sondern auf die Rückfragen der Rettungsleitstelle wartet. Ggf. erhält man auch Informationen, wie man bei der Erste-Hilfe-Leistung verfahren soll.

Bei einem Tauchunfall sollte das Stichwort Tauchunfall klar genannt werden, damit von der Rettungsleitstelle die nächstgelegene Druckkammer umgehend in Bereitschaft versetzt und ein schnellstmöglicher Transport (z. B. per Hubschrauber) organisiert werden kann.

Erste Hilfe

Wenn der Notruf abgesetzt wurde und damit der Rettungsdienst auf dem Weg ist, muss anschließend mit der Leistung der Ersten Hilfe begonnen werden. Diese ist abhängig vom Zustand des Patienten. Wenn du dir nicht sicher bist, wie du verfahren sollst, dann frage explizit beim Absetzen des Notrufs bei der Rettungsleitstelle nach. Bedenke dabei immer, dass es am schlechtesten ist, nichts zu tun, denn beispielsweise die Folgen einer nicht oder zu spät durchgeführten Herz-Lungen-Wiederbelebung kann auch das medizinische Fachpersonal des Rettungsdienstes bzw. in der Klinik nicht mehr rückgängig machen.

Kontrolliere zuerst, ob der Patient bei Bewusstsein ist, mache ihm ggf. die Atemwege frei und kontrolliere nochmal, ob er normal atmet. Wenn dies nicht der Fall ist, dann musst du von einem Kreislaufstillstand ausgehen und umgehend mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Die HLW musst du solange fortsetzen, bis der Rettungsdienst eintrifft oder der Patient wieder selbstständig und normal atmet.

Sollte der Patient normal atmen, dann bringe ihn in die stabile Seitenlage und versuche ihn vor Auskühlung zu schützen. Bei einem Schock solltest du ihn flach und mit angehobenen Beinen lagern. In allen Fällen darfst du den Patienten nie alleine lassen und musst ständig seine Atmung und seinen Zustand kontrollieren.

Offene Wunden solltest du mit einem sterilen Verband aus einem Erste-Hilfe-Koffer versorgen. Bei stark blutenden Wunden musst du versuchen, einen Druckverband anzulegen.

Gerade einem verunfallten Taucher sollte unbedingt und in jedem Fall Sauerstoff verabreicht werden. Er ist in keinem Fall schädlich, sondern trägt dazu bei, die Auswirkungen einer Sauerstoffunterversorgung, Dekompressionskrankheit und von Gasvergiftungen zu reduzieren. Sauerstoff soll deshalb so schnell, so hochprozentig und so lange wie möglich verabreicht werden.

Rettungsdienst

Der Rettungsdienst hat in der Rettungskette die Aufgabe, den Patienten vom Ersthelfer zu übernehmen, seinen Zustand zu stabilisieren und ihn zur weiteren Versorgung in die Notaufnahme einer Klinik zu bringen.

Um eine möglichst schnelle und reibungslose Übergabe an das medizinische Fachpersonal zu ermöglichen, solltest du folgendes beachten:

  • Beauftrage jemanden, die Rettungskräfte einzuweisen. Dies ist besonders dann wichtig, wenn sich der Patient nicht direkt in der Nähe einer Straße oder an einem nicht direkt zugänglichen Ort befindet. In diesem Fall sollte sich jemand zur nächstgelegenen Straße begeben und die Rettungskräfte von dort zum Patienten lotsen.
  • Stelle den Rettungskräften so viele Informationen wie möglich zur Verfügung. Dies betrifft vor allem den Unfallhergang, die Vorgeschichte, wie sich der Zustand des Patienten verändert hat und welche Erste-Hilfe-Maßnahmen du durchgeführt hast.
  • Gerade bei einem Tauchunfall musst du alle Ausrüstungsgegenstände des verunfallten Tauchers an die Rettungskräfte übergeben. Insbesondere sind das Drucklufttauchgerät und der Tauchcomputer wichtig, da hieraus Rückschlüsse auf die Unfallursache und weitere Behandlung – beispielsweise in einer Druckkammer – gezogen werden können.

Klinik

Die letzte Station in der Rettungskette ist die professionelle medizinische Versorgung des Patienten in der Notaufnahme einer Klinik. Gerade bei Tauchunfällen geht dies oft auch mit der Therapie in einer Druckkammer einher.