Drucklufttauchgerät

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Drucklufttauchgerät

Ein Drucklufttauchgerät ermöglicht unter Wasser die Atmung und eine freie Bewegung. Im Englischen wird es auch als SCUBA (self contained unterwater breathing apparatus, zu Deutsch: autonomes Unterwasser-Atemgerät) bezeichnet.

Es besteht aus den Baugruppen Druckluftflasche mit Ventil, Atemregler, Sicherheitseinrichtungen wie z. B. einem Finimeter und der Tragevorrichtung wie z. B. einem Tarierjacket).

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Bestandteile

Druckluftflasche

Druckluftflasche mit Doppelventil und Standfuß.

Eine Druckluftflasche ist eine Baugruppe eines Drucklufttauchgerätes. Sie besteht aus der Flasche selbst, einem Ventil und einem Standfuß. Die Flasche ist entweder aus Stahl, Aluminium oder – im Sporttauchbereich selten eingesetzt – kohle- und glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigt. Gefüllt werden Druckluftflaschen entweder mit einem Kompressor oder aus großen Speicherflaschen.

Druckluftflaschen speziell für das Tauchen werden mit 5, 7, 8, 10, 12, 15 und 20 Litern Inhalt angeboten. Die Wahl der Flaschengröße ist abhängig von Körperbau, Einsatz, Tauchtiefe und -zeit. Die im Sporttauchbereich gängigsten Größen sind 10 l, 12 l und 15 l. Der Fülldruck beträgt typischerweise 200 bar. Es gibt auch Flaschen, die mit bis zu 300 bar gefüllt werden können, wobei sich aber die Ventile unterscheiden. Das Flaschengewicht (ohne Ventil) liegt je nach Herstellungsverfahren bei 10% bis 15% über dem Volumen und ist am Flaschenhals eingeschlagen. Aluflaschen sind etwa 2 kg schwerer als Stahlflaschen, da wegen der geringeren Festigkeit von Aluminium die Wandstärke wesentlich größer sein muss.

Tauchflaschen müssen spätestens nach 2,5 Jahren durch den TÜV oder eine andere zugelassene Prüfstelle geprüft werden. Die erste Prüfung ist nur eine innere und äußere Inspektion, erst nach weiteren 2,5 Jahren erfolgt auch eine Druckprüfung mit dem 1,5-fachen des Betriebsdrucks. Das Datum (Jahr/Monat) der nächsten Prüfung ist zusammen mit dem TÜV-Stempel am Flaschenhals eingeschlagen oder auf einem Aufkleber vermerkt.

Zum Schutz vor Beschädigung der Flaschenoberfläche und zum sicheren Stand soll jede Flasche mit einem Standfuß versehen sein. Diesen sollte man hin und wieder abnehmen und die Oberfläche darunter auf Roststellen überprüfen. Flaschen sollten immer trocken, stehend und nicht komplett entleert gelagert werden, um das Eindringen von Luftfeuchtigkeit zu verhindern.

Beim Transport im KFZ sind die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung insbesondere in Hinblick auf die Ladungssicherung zu beachten; bei größeren Mengen oder nicht-privatem Transport zusätzlich die Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB). Beim Transport in einem Boot müssen die Flaschen festgebunden und gesichert werden und die Ventile geschlossen bleiben. Die Montage des Jackets und des Atemreglers sollte erst unmittelbar vor dem Tauchgang durchgeführt werden.

Flaschenventil

Ventil mit einem Abgang.

Die Absperreinheit der Druckluftflasche ist das Flaschenventil. Ventile können mit einem oder mit zwei doppelt absperrbaren Abgängen ausgerüstet sein. An Ventile mit doppelt absperrbaren Abgängen können zwei Atemregler angeschlossen werden.

Doppelt absperrbares Ventil.

Bei Tauchgängen in Gewässern mit Wassertemperaturen unter +10°C sollten wegen der Vereisungsgefahr zwei Atemregler montiert werden. Im Vereisungsfall kann dann der Ventilabgang für den Hauptatemregler vom Taucher selbst oder durch den Partner geschlossen werden. Empfehlenswert sind dabei Handräder in unterschiedlichen Farben, da im Vereisungsfall ganz klar sein sollte, welches Handrad (z. B. das Gelbe) geschlossen werden muss. Wird bei derartigen Ventilen nur ein Atemregler montiert, muss der zweite Abgang unbedingt mit einer dichtenden Blindschraube verschlossen werden, da sonst Wasser bis in den Bereich der Oberspindel eindringen kann. Das Wasser gelangt dann beim Füllen über diesen Abgang in die Flasche und kann eine innere Vereisung des Atemreglers verursachen.

In Deutschland sind alle Ventile mit einem DIN-Anschluss versehen. Für die Montage von INT-Anschlüssen gibt es Einschraubadapter. Am Ventil ist im Inneren der Druckluftflasche ein Wasserschutzrohr angebracht, damit beim Überkopfabtauchen weder Rost noch Wasser in den Atemregler gelangen kann. Besser ist es, anstelle des Wasserschutzrohres einen Sinterfilter montieren zu lassen.

Die Montage eines Ventils an der Druckluftflasche darf nur durch einen Fachmann erfolgen. Bei falscher Montage bzw. falscher Kombination besteht Lebensgefahr!

Atemregler

Alle Informationen findest du im Artikel Atemregler.

Tarierjacket

Alle Informationen findest du im Artikel Tarierjacket.

Montage

Vor dem Tauchgang musst du dein Jacket und deinen Atemregler an deiner Druckluftflasche montieren. Folgende Schritte musst du hierzu durchführen:

  1. Vorbereitung: Stelle die Druckluftflasche auf geradem und sauberem Untergrund so vor dich, dass die Ventilöffnung von dir weg zeigt und lege Atemregler und Jacket bereit.
  2. Jacket montieren: Halte das Jacket auf die von dir wegzeigende Seite der Flasche (Seite auf der sich die Ventilöffnung befindet) und stülpe den Flaschengurt über die Druckluftflasche. Fixiere den Gurt, damit sich die Oberkante des Jackets auf etwa gleicher Höhe mit der Stelle befindet, an der das Ventil in die Flasche eingeschraubt ist.
  3. Atemregler montieren: Überprüfe zuerst den Hochdruckeingang des Atemreglers. Dieser muss trocken und der O-Ring sauber und unbeschädigt sein. Der Atemregler muss so montiert werden, dass sich Hauptautomat und Oktopus auf der rechten Seite und Finimeter und Inflatorschlauch auf der linken Seite befinden. Schraube in dieser Position die erste Stufe mit dem Handrad handfest in die Ventilöffnung. Verbinde anschließend Inflatorschlauch und Inflator.
  4. Ventil öffnen: Halte die Sichtscheibe des Finimeters in Richtung Boden und öffne das Flaschenventil komplett.
  5. Funktionsprüfung: Teste die Funktion des Inflators und der Ablassventile deines Jackets. Nimm ein paar Atemzüge aus allen zweiten Stufen deines Atemreglers und prüfe anschließend den Flaschendruck an deinem Finimeter. Befestige den Oktopus an der vorgesehenen Halterung. Mache abschließend einen Hörtest, um zu überprüfen, ob irgendwo Luft austritt.
  6. Sicher verstauen: Wenn du dein Tauchgerät nicht gleich anlegst, dann verstaue es so, damit es nicht umfallen und dadurch beschädigt werden kann. Lege es an Land auf den Boden und achte dabei darauf, dass die Schläuche nicht geknickt werden und lege die Lungenautomaten oben auf das Jacket. Befestige es auf einem Boot an den vorhandenen Halterungen oder lege es so auf den Boden, dass es nicht herumrutschen kann.
  7. Gerät anlegen: Das Tauchgerät solltest du möglichst rückenschonend anlegen. Am besten helft euch du und dein Tauchpartner gegenseitig dabei.

Zerlegen

Nach dem Tauchgang musst du das Drucklufttauchgerät wieder zerlegen:

  1. Ventil schließen: Gib zuerst mit dem Inflator etwas Luft in das Jacket und schließe anschließend das Flaschenventil.
  2. Atemregler entlüften: Betätige die Luftdusche der Lungenautomaten, um den Druck vom Atemregler zu nehmen.
  3. Atemregler demontieren: Entferne den Inflatorschlauch vom Inflator und schraube den Atemregler vom Flaschenventil ab. Trockne die Schutzkappe und befestige sie wieder am Hochdruckeingang des Atemreglers.
  4. Jacket demontieren: Öffne den Flaschengurt und nimm das Jacket von der Flasche ab.
  5. Jacket entwässern: Im Inneren des Jackets kann sich ggf. etwas Wasser gesammelt haben. Drehe es um, halte den Inflator nach unten und lasse das Wasser mit dem Auslassknopf des Inflators ab.
  6. Sicher verstauen: Lege die Druckluftflasche auf den Boden oder befestige sie an einer ggf. vorhandenen Halterung. Achte darauf, dass weder Dreck noch Wasser in die Ventilöffnung gelangen kann. Verstaue Jacket und Atemregler. Achte darauf, dass die Schläuche nicht geknickt werden.
  7. Reinigung und Pflege: Beachte die Pflegehinweise in den Artikeln Tarierjacket und Atemregler.

Wissen für fortgeschrittene Taucher (ED**)

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Kennzeichnung

Druckluftflaschen müssen mehrfach gekennzeichnet sein:

  • Bei der Fertigung werden vom Hersteller alle wichtigen Daten unveränderbar auf beiden Seiten des Flaschenhalses eingeschlagen. Dort ist die Wandstärke durch das Stauchen des Flaschenkopfes am größten, sodass nicht die Gefahr einer Schwächung der Druckfestigkeit besteht. Auf der einen Seite des Flaschenhalses werden die Herstellerdaten unabhängig vom späteren Verwendungszweck vermerkt. Dazu gehören Ventileinschraubgewinde, Gewicht ohne Ventil, Volumen, Festigkeit bzw. Wandstärke, Bauartzulassung Hersteller, Fabriknummer, Prüfdruck und Prüfart. Auf der zweiten Seite wird der Verwendungszweck vermerkt. Dazu gehören Gasart, Anwendung (TG, AG), Betriebsdruck bei 15°C, TÜV-Kennzeichnung und Besteller.
  • Die Gasart wird auch mit der Farbe des Flaschenhalses gekennzeichnet, entweder durch einen farbigen Ring oder einen Sektor. Demnach steht schwarz für Druckluft, weiß für Sauerstoff und Nitrox, braun für Helium und Trimix und grün für Argon.
  • Die TÜV-Kennzeichnung besteht aus dem aktuellen Jahr und Monat der Prüfung, dem TÜV-Stempel und dem Jahr und Monat der nächsten Prüfung also JJ/MM-TÜV-JJ/MM. Die regelmäßigen TÜV-Prüfungen können auch mittels einer aufgebrachten Plakette vermerkt werden.
Gefahrgutaufkleber für Druckluft.

Neben diesen Kennzeichnungen des Herstellers müssen vom Anwender weitere Kennzeichnungen erfolgen, wenngleich noch nicht endgültig geklärt ist, ob diese Regelungen auch für den Tauchsport anzuwenden sind:

  • Druckluft ist Gefahrgut im Sinne der Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB) und muss entsprechend durch ein grünes Quadrat mit einem Flaschensymbol und der Zahl 2 gekennzeichnet sein. Bei Nitrox kommt noch der gelbe Aufkleber mit dem Symbol brandfördernd hinzu. Diese Kennzeichnungen sollen der Feuerwehr im Brandfall helfen, das Gefahrenpotential einschätzen zu können. Kontrolliert werden kann diese Kennzeichnung im Straßenverkehr durch die Polizei.
  • Die Kennzeichnung nach CLP (Classification, Labelling, Packaging) wird durch den Füllbetrieb vorgenommen und gegebenenfalls vom Gewerbeaufsichtsamt kontrolliert. Der Aufkleber enthält ein rot umrandetes Quadrat mit einem Flaschensymbol und dem Zusatz Achtung und einem erklärenden Text, sowie Name und Telefonnummer des Füllbetriebes.

Transport

Beim Transport im KFZ sind die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung insbesondere in Hinblick auf die Ladungssicherung zu beachten. Druckluftflaschen müssen demnach derart gesichert werden, dass sie nicht verrutschen können. Es empfiehlt sich, die Flaschen festzubinden, die Ventile mit einer Kappe zu schützen und sie so zu platzieren, dass sie bei Fahrmanövern oder bei einem Unfall nicht beschädigt oder abgeschlagen werden können.

Bei gewerblichem Transport ist in Deutschland zusätzlich die Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB) zu beachten. Diese schreibt einen Ventilschutz, z. B. eine belüftete Ventilschutzkappe, zwingend vor.

Lagerung

Druckluftflaschen sollten im trockenen Zustand stehend gelagert werden. Falls sich Wasser in der Flasche befindet, so ist in dieser Lage nur der relativ dicke Boden und nicht die Seitenwände von Rost betroffen. Der Fülldruck sollte bei längerer Lagerung, um den Sauerstoffpartialdruck zu reduzieren, auf 20 bar bis 50 bar gesenkt werden. Allerdings darf die Flasche nicht komplett entleert werden, um dem Eindringen von (Luft-)Feuchtigkeit vorzubeugen.

Spezialwissen (Nitrox*)

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Kennzeichnung von Nitrox-Taucherflaschen

Zusatzaufkleber für Nitrox-Tauchflaschen.

Taucherflaschen, die Nitrox enthalten, müssen – neben den im Flaschenhals eingeschlagenen Herstellerangaben – aufgrund des erhöhten Sauerstoffgehalts speziell gekennzeichnet werden:

  • Der Flaschenhals muss mit einem weißen Ring oder Sektor markiert sein.
  • Beim Transport muss zusätzlich ein gelber Aufkleber mit dem Symbol brandfördernd angebracht werden.
  • Die Kennzeichnung nach CLP muss das Symbol brandfördernd und den Zusatz Gefahr enthalten.

Weiterhin muss nach der Analyse des Sauerstoffanteils ein Aufkleber oder Anhänger angebracht werden, auf dem mindestens folgende Informationen über den Inhalt vermerkt sind:

  • Sauerstoffanteil
  • MOD
  • Prüfer

Dies ist notwendig, damit du sicherstellen kannst, dass die Taucherflasche, die du für deinen Tauchgang verwendest, auch die ist, deren Inhalt du während der Tauchgangsplanung analysiert hast. Zudem erleichtert es dir zu überprüfen, welches Atemgasgemisch dein Tauchpartner verwendet.

Sauerstofftaugliche Flaschenventile

Innerhalb der Europäischen Union muss jedem Gas, das mehr als 21% Sauerstoff enthält, wie reiner Sauerstoff behandelt werden. Taucherflaschen, die Nitrox enthalten, müssen deshalb mit speziellen sauerstofftauglichen Flaschenventilen ausgestattet sein. Diese Ventile sind mit einem M26x2-Gewinde ausgestattet, das nicht mit den an normalen Atemreglern verwendeten G5/8-Zoll-Gewinden kompatibel ist. Hiermit soll einerseits sichergestellt werden, dass Nitrox-Flaschen nicht abwechselnd mit Luft und Nitrox befüllt werden können, was die Sauerstoffreinheit der Taucherflasche aufheben würde. Andererseits soll verhindert werden, dass nicht sauerstofftaugliche Atemregler mit Nitrox in Berührung kommen können.

Expertenwissen (DM***)

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Druckangaben für Taucherflaschen

Betriebsdruck

Der Betriebs- bzw. Nenndruck wird vom Hersteller der Taucherflasche am Flaschenhals eingeschlagen. Üblich sind 200 bar, bei manchen Herstellern 232 bar, oder 300 bar. Der Betriebsdruck bezieht sich auf eine Temperatur von 15°C.

Fülldruck

Der Fülldruck gibt an, bis zu welchem Druck die Taucherflasche gefüllt werden darf. Man nimmt an, dass sich die Flasche beim Füllen mittels Kompressor erwärmt. Deshalb liegt der Fülldruck etwa 10% über dem Betriebsdruck. Nach der Abkühlung der Flasche auf 15°C sinkt der Druck etwa wieder auf den Betriebsdruck ab.

Prüfdruck

Der Prüfdruck gibt an, mit welchem Druck die Taucherflasche bei der wiederkehrenden Druckprüfung z. B. durch den TÜV geprüft werden muss. Der Prüfdruck ist 50% höher als der Betriebsdruck. Bei einer Taucherflasche mit einem Betriebsdruck von 200 bar liegt der Prüfdruck bei 300 bar.

Bei Prüfung wird die Flasche mit Wasser gefüllt und auf den Prüfdruck gebracht. Da Wasser kaum komprimierbar ist, besteht im Falle des Berstens der Flasche keine Gefahr, da sich das unter Druck stehende Wasser im Gegensatz zu Luft nicht massiv ausdehnt.

Berstdruck

Den Berstdruck muss eine Taucherflasche mindestens verkraften, bevor es zum Bersten kommt. Er liegt meist zwischen 500 bar und 600 bar. Gerade ältere Flaschen sind durch Rost oder Aluminiumflaschen durch Materialermüdung gefährdeter, den Mindestberstdruck nicht mehr zu erreichen.