Dekompressionsberechnung

Aus Taucherpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Zweck einer Dekompressionsberechnung ist die Überwachung der Stickstoffsättigung im Körper des Tauchers und die Bestimmung von evtl. notwendigen Dekostopps beim Auftauchen. Sie ist zudem Teil der Tauchgangsplanung.

Obwohl die Berechnung heutzutage fast ausschließlich von Tauchcomputern vorgenommen wird, veranschaulicht die hier dargestellte Vorgehensweise mit einer Dekompressionstabelle die zu Grunde liegenden Prinzipien und Begriffe.

Grundwissen für Open Water Diver*

zurück zum Online-Training OWD*

Grundbegriffe

Tauchgangsprofil mit Begriffsdefinitionen.

Folgende Grundbegriffe musst du sowohl für die Dekompressionsberechnung mit einer Dekompressionstabelle, als auch bei der Verwendung eines Tauchcomputers kennen:

Tauchzeit

Die Tauchzeit ist die gesamte unter Wasser verbrachte Zeit.

Grundzeit

Die Grundzeit ist die Zeit vom Beginn des Abstiegs bis zum Beginn des Austauchens. D. h. die Zeit, die man für den Abstieg braucht plus die Verweildauer auf Tiefe.

Nullzeit

Die Nullzeit ist die maximale Grundzeit, nach der noch keine Dekostopps notwendig sind. Die Nullzeit sollte im Sporttauchbereich nicht überschritten werden. Ein Tauchgang, der sich innerhalb dieser Grenze befindet, wird als Nullzeittauchgang bezeichnet. Bei einer Überschreitung der Nullzeit sind Dekostopps zwingend notwendig und man bezeichnet den Tauchgang als dekompressionspflichtigen Tauchgang.

Oberflächenpause

Die Oberflächenpause ist die gesamte an der Wasseroberfläche verbrachte Zeit zwischen zwei Tauchgängen.

Restsättigung

Auch nach Erreichen der Wasseroberfläche ist im Körper noch eine erhöhte Stickstoffsättigung vorhanden, die erst im Laufe der nächsten etwa 24 Stunden langsam abgebaut wird. Werden in dieser Zeit weitere Tauchgänge (sog. Wiederholungstauchgänge) durchgeführt, so muss die Restsättigung bei der Dekompressionsberechnung berücksichtigt werden. Die Nullzeit verkürzt sich hierbei um den sog. Zeitzuschlag, bzw. der Grundzeit muss für die Berechnung der Zeitzuschlag hinzu addiert werden. Zu Beginn des Wiederholungstauchgangs ist also noch eine so hohe Stickstoffrestsättigung im Körper, als ob man sich schon den Zeitzuschlag lang auf der Tauchtiefe befunden hätte. Da dies eine fiktive Zeit ist, wird sie nicht in die Luftverbrauchsberechnung mit einbezogen.

Auftauchen

Auftauchen bezeichnet den Aufstieg Richtung Oberfläche. Die Aufstiegsgeschwindigkeit darf 10 m pro Minute, bei weniger als 10 m Tiefe 6 m pro Minute, nicht überschreiten. Ein Überschreiten der maximal zulässigen Aufstiegsgeschwindigkeit wird vom Tauchcomputer signalisiert. Als grober Orientierungspunkt können die kleinsten Bläschen der Ausatemluft, die nicht überholt werden dürfen, herangezogen werden. Das Auftauchen wird ggf. durch Deep-, Deko- und Sicherheitsstopps unterbrochen.

Austauchen

Das Austauchen bezeichnet den gesamten Aufstieg bis zur Oberfläche incl. aller erforderlichen Deep-, Deko- und Sicherheitsstopps.

Sicherheitsstopp

Ein Sicherheitsstopp sollte unabhängig von evtl. notwendigen Deep- und Dekostopps obligatorisch bei jedem Tauchgang durchgeführt werden, um die Stickstoffsättigung zu reduzieren. Die Tiefe sollte 3 m bis 5 m und die Dauer 3 Minuten bis 5 Minuten betragen. Bei einem dekompressionspflichtigen Tauchgang wird der Dekostopp auf 3 m Tiefe um die Zeit des Sicherheitsstopps verlängert.

Dekostopp

Überschreitet die Grundzeit die Nullzeit muss das Auftauchen durch Dekostopps unterbrochen werden, um die Stickstoffsättigung im Körper wieder unter den kritischen Wert zu reduzieren und einer Dekompressionskrankheit vorzubeugen. Tiefe und Dauer der Dekostopps sind abhängig von Tauchtiefe, Grundzeit und vorhandener Restsättigung und müssen anhand einer Dekompressionstabelle bzw. mit Hilfe eines Tauchcomputers bestimmt werden.

Deepstopp

Empfehlenswert ist beim Austauchen zusätzlich ein Tiefenstopp auf halber Maximaltiefe von etwa 2 Minuten bis 3 Minuten einzulegen. Dadurch verlängert sich zwar die Austauchzeit und ggf. die Dekostopps, aber die Anzahl der Mikroblasen im Blut reduziert sich stark, da das mit Stickstoff übersättigte Blut in dieser Zeit mehrmals durch die Lunge geführt wird und sich entsättigen kann.

Bubblecheck

Der Bubblecheck ist ein Kontrollstopp beim Abtauchen in 3 m bis 5 m Tiefe, um die Dichtigkeit der Tauchausrüstung zu überprüfen.

Dekompressionstabelle

Dekompressionstabelle DECO 2000 (Rückseite)
Dekompressionstabelle DECO 2000 (Vorderseite)

Der Zweck einer Dekompressionstabelle ist es, anhand maximaler Tauchtiefe, Grundzeit und Restsättigung die Nullzeit und ggf. einzuhaltende Dekostopps zu bestimmen.

Es gibt eine Vielzahl an Dekompressionstabellen. Nachfolgend wird die DECO 2000 nach Bühlmann & Hahn verwendet. Sie gilt von Meereshöhe bis 700 m Höhe. Beim Tauchen in Bergseen über 700 m Höhe muss eine spezielle Bergseetabelle verwendet werden.

Eine Dekompressionstabelle geht immer von einem sog. Rechteckprofil aus. D. h. für die Berechnung wird angenommen, dass die gesamte Grundzeit auf der während des Tauchgangs maximal erreichten Tiefe verbracht wurde.

Aufbau

Die Vorderseite ist in Tabellen untergliedert. In der ersten Spalte steht die maximal erreichte Tauchtiefe und darunter die Nullzeit für diese Tiefe. Diese gilt nur für einen Tauchgang ohne Restsättigung. Die zweite Spalte enthält die getauchte Grundzeit. Die folgenden Spalten geben die Länge der Dekostopps auf den zugehörigen Tiefen an. Die letzte Spalte gibt Auskunft über die Restsättigung nach Ende des Tauchgangs (Wiederholungsgruppe). Weiße Zeilen sind Nullzeittauchgänge, dunkel hinterlegte Zeilen dekompressionspflichtige Tauchgänge.

Auf der Rückseite werden die Tabellen der Vorderseite für größere Tiefen fortgesetzt. Der untere Teil dient dazu aus der Wiederholungsgruppe des letzten Tauchgangs und der Oberflächenpause die Restsättigung und den Zeitzuschlag für den Folgetauchgang zu ermitteln. Die letzte, mit einem Flugzeugsymbol gekennzeichnete Spalte gibt die Flugverbotszeit an. Diese Zeitspanne muss unbedingt zwischen dem letzten Tauchgang und einem Flug liegen, da in der Flugzeugkabine der Umgebungsdruck auf etwa 0,75 bar abgesenkt wird. Die Flugverbotszeit gilt auch für Fahrten über Bergpässe.

Anwendung

Die Anwendung der Dekompressionstabelle soll dir nachfolgend mit einem Beispiel veranschaulicht werden:

  1. Nullzeit: Der erste Tauchgang (ohne Restsättigung) führt dich auf eine Maximaltiefe von 19 m. Da diese Tiefenstufe in der DECO 2000 nicht vorhanden ist, verwendest du zur Sicherheit die nächsttiefere Stufe, d. h. die Tabelle für 21 m auf der Vorderseite. Die Nullzeit beträgt somit 31 Minuten.
  2. Dekostopps: Deine Grundzeit betrug 25 Minuten. Da in der Spalte mit den Grundzeiten dieser Wert nicht vorhanden ist, nimmst du zur Sicherheit den nächstgrößeren vorhandenen Wert, d. h. die Zeile mit 26 Minuten. In dieser Zeile existieren keine Einträge für Dekostopps, was deinen Tauchgang zu einem Nullzeittauchgang macht und du lediglich einen Sicherheitsstopp beim Aufstieg durchführen solltest. Das erkennst du auch daran, dass deine Grundzeit von 25 Minuten geringer war als die Nullzeit von 31 Minuten.
  3. Wiederholungsgruppe: Am Ende der Zeile findest du die Wiederholungsgruppe für den Tauchgang: E.
  4. Zeitzuschlag: Nach einer Oberflächenpause von 1 Stunde und 45 Minuten führst du einen weiteren Tauchgang auf 18 Metern Tiefe durch. Auf der Rückseite der DECO 2000 verwendest du nun die Tabelle Oberflächenpause. Folge der Zeile, die mit deiner Wiederholungsgruppe E beginnt nach rechts bis zu dem Zeitintervall, in dem sich deine Oberflächenpause befindet. In diesem Beispiel zwischen 1 Stunde 30 Minuten und 2 Stunden. Folge nun dem Pfeil zu der Spalte in der nächsten Tabelle. Das Feld auf der Kreuzung mit der Zeile der Tiefe für deinen Wiederholungstauchgang gibt dir einen Zeitzuschlag von 26 Minuten an.
  5. Dekostopps und Wiederholungsgruppe für Wiederholungstauchgang: Die Grundzeit des Wiederholungstauchgangs beträgt 30 Minuten. Dieser musst du den Zeitzuschlag von 26 Minuten hinzu addieren und musst somit mit einer Grundzeit von 56 Minuten rechnen. Die nächsthöhere Zeitstufe der Tabelle für 18 m auf der Vorderseite beträgt 65 Minuten. In dieser Zeile liest du einen Dekostopp von 8 Minuten auf 3 m Tiefe und Wiederholungsgruppe G ab.
  6. Flugverbotszeit: Folgst du Zeile G in der Tabelle Oberflächenpause auf der Rückseite ganz nach rechts, beträgt deine Flugverbotszeit nach den beiden Tauchgängen 24 Stunden.

Sicherheitshinweise

Die Dekompressionsberechnung – sowohl mit Dekompressionstabelle wie auch mit Hilfe eines Tauchcomputers – beruht auf Statistiken und Modellrechnungen und kann trotz hoher Sicherheitsaufschläge nicht alle Eventualitäten berücksichtigen. Somit gilt generell: Risiken minimieren und konservativ tauchen! Hierzu zählt neben den Vorgaben bzgl. Stopps und Aufstiegsgeschwindigkeit vor allem folgendes:

  • Die Grenzen gerade in Bezug auf die Nullzeit nicht ausreizen, d. h. deutlich vor Ablauf der Nullzeit mit dem Austauchen beginnen.
  • Mindestens eine 24-stündige Oberflächenpause zwischen dem letzten Tauchgang und einem Flug bzw. einer Bergpassüberquerung einhalten.
  • Keine Jo-Jo-Tauchgänge durchführen: Während des ständigen Auf- und Absteigens wird das Gewebe permanent ent- und aufgesättigt. Der eigentliche Sättigungszustand ist durch Modellrechnungen und Tabellen deshalb nur unpräzise wiederzugeben und die Dekompressionsanweisungen können dadurch deutlich falsch sein.
  • Mindestens 2 Stunden Oberflächenpause zwischen den Tauchgängen, um eine möglichst geringe Restsättigung beim Wiederholungstauchgang zu haben.
  • Korrektur bei Kälte und Belastung: Nächste Zeitstufe bei Kälte und kurzer Belastung, 1,5-fache Grundzeit bei längerer Belastung, da sich in beiden Fällen die Gewebedurchblutung deutlich von den Rechenmodellen unterscheidet und mehr Stickstoff im Körper angesättigt wird.
  • Kein Sport vor und nach dem Tauchgang: Durch die erhöhte Durchblutung vergrößert sich das Risiko, dass durch Mikroblasen eine Dekompressionskrankheit entsteht.
  • Durch ausreichende Flüssigkeitsaufnahme eine Dehydration vermeiden: Durch einen zu geringen Flüssigkeitshaushalt wird der Stickstoffabtransport aus den Geweben verschlechtert.
  • Kein Alkohol, keine Drogen, nicht Rauchen: Neben der berauschenden und gesundheitsschädlichen Wirkung verändern alle Medikamente, Rausch- und Genussmittel die Gewebedurchblutung und somit auch das Sättigungs- und Entsättigungsverhalten.
  • Eigene Zusatzrisiken wie Übergewicht oder ein offenes Foramen Ovale berücksichtigen.

Spezialwissen (Nitrox*)

zurück zum Online-Training Nitrox*

Bei der Verwendung von Nitrox muss bei der Dekompressionsberechnung dessen verringerter Stickstoffgehalt verglichen mit Luft berücksichtigt werden. Die Nullzeit kann direkt im Nitrox-Tauchgangsplaner abgelesen werden. Zur Ermittlung der Dekostopps gibt es mehrere mögliche Herangehensweisen: